3. Akt · Gewohnte Welt · Rückkehr

Osterspecial: Die Auferstehung

Liebe Freundinnen und Freunde,

heute ist Ostern und damit die Gelegenheit, sich mit dem Thema Auferstehung zu beschäftigen.

Die Auferstehung Jesu von den Toten ist die zentrale christliche Botschaft und Ostern der höchste christliche Feiertag. Doch das Thema von Tod und Auferstehung findet sich in vielen Geschichten und Legenden aller Kulturen und Zeiten.

Natürlich auch im Hollywoodfilm. Im Film Gadiator  aus dem Jahr 2000 sehen wir Maximus in der Arena sterben – und gleichzeitig wieder auferstehen, als seine Hand durch das Kornfeld seiner lange vermissten Heimat fährt. Am Ende seines Lebens kommt zurück nach Hause – ein häufiges Motiv in Heldengeschichten.

Unten ein Ausschnitt aus dem Film Das Boot  aus dem Jahr 1981, in dem die Auferstehung wörtlich zelebriert wird.

Immer geht es darum, etwas Altes aufzugeben und etwas Neues entstehen zu lassen. Es geht darum, sich ganz in einer Sache zu verlieren, alles aufzugeben und letztlich neu geboren zu werden. Ein bisschen wie in der Liebe. 🙂

Im Song Lose Yourself bringt Eminem es in den ersten Zeilen auf den Punkt:

Look, if you had one shot, one opportunity
To seize everything you ever wanted
One moment
Would you capture it or just let it slip?

Liebe Heldinnen und Helden, der offizielle Teil der 12-Wochen-Blog-Challenge ist nun vorbei. Doch ich habe noch verschiedene mit der Heldenreise verwandte Themen, die ich gerne beleuchten und euch näher bringen möchte. Besonders die verschiedenen Archetypen, die in Geschichten, Mythen, Legenden und im Leben eines jeden Einzelnen eine Rolle spielen, habe noch nicht ihren gebührenden Auftritt gehabt. Ihr werdet also weiterhin in unregelmäßigen Abständen von mir hören.

Bis dahin alles Liebe und ein herzliches Dankeschön fürs Lesen, Kommentieren und manchmal auch Diskutieren,

eure Shakti

Zu Ostern: Der Choral aus Gustav Mahlers Auferstehungssymphonie für euch.

3. Akt · Archetypen · Gewohnte Welt · Rückkehr

Herrscher*in über zwei Welten

Liebe Heldenreisende,

irgendwann schließt sich der Kreis und wir kommen zurück in unsere gewohnte Welt. Das Elixir, unsere gemachten Erfahrungen, haben wir im Gepäck, im Kopf, im Herzen. Wir haben uns auf dieser Reise gewandelt, sind jemand anderes geworden, ein Teil von uns ist gestorben, neue Erkenntnisse und Fähigkeiten wurden geboren.

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Pretty Woman Vivian beschließt, ein Studium aufzunehmen und kehrt der Prostitution den Rücken, denn sie hat erkannt, dass mehr in ihr steckt. Die von der gesunkenen Titanic gerettete Rose verleugnet ihren alten Nachnamen und gibt sich als Jacks Frau zu erkennen. Rose ist eine andere geworden Dadurch stirbt ihr altes Selbst und sie wird als freie Frau wiedergeboren, die ein Leben jenseits der Zwänge ihrer Familie führen kann. Eine meiner Lieblingsfilme ist Die Truman Show. Der Protagonist lebt seit seiner Geburt ein regelrecht künstliches Leben….. Doch am Ende der Geschichte entscheidet er sich, seine Ängste zu überwinden, in ein kleines Boot zu steigen und buchstäblich bis zum Horizont zu fahren. Er nimmt das Angebot des Regisseurs seines Lebens nicht an, weiterhin ein behagliches Leben mit lauter Statisten zu führen, sondern verbeugt sich vor den Kameras und tritt hinaus ins „wirkliche Leben“. Dass sein eigentliches Abenteuer damit erst beginnt, ist eine andere Geschichte. Hier die dramatischen letzten Minuten, bevor Truman sein eigener Held wird.

Dies ist unser Augenblick, liebe Freundinnen und Freunde: Der Moment des Geschichtenerzählens.

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Die Gemeinschaft kommt am Lagerfeuer (an einer Lesebühne, im Kino,im Theater, auf einer Kunstausstellung…) zusammen und der, die Heldenreisende erzählt von seinen, ihren Abenteuern. Er reicht der Gemeinschaft seine Erfahrungen weiter und wird selbst wieder in der Gemeinschaft willkommen geheißen. Dies gilt für Asterix und Obelix (wir erinnern uns alle an den armen, gefesselten Troubadix) genauso wie für Moses.

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Moses folgte dem Ruf, den er gehört hatte. Er erklomm den Berg Sinai, was mit Sicherheit mit einigen Prüfungen verbunden war. Auf dem Gipfel erhielt die zehn Gebote (das Elixir). Er machte sich auf den gefährlichen Rückweg und übergab der Gemeinschaft eine neue Gesellschaftsordnung.

 

 

 

Wir haben jetzt die Wahl, wie und in welcher Welt wir leben möchten. Viele ehemalige Heldinnen und Helden werden Mentoren für andere. So wie am Arbeitsplatz ein „alter Hase“ den „Grünschnabel“ unter seine Fittiche nimmt. Oder wir brechen auf zu neuen Abenteuern. Haben wir unsere Lektion wirklich verstanden, wird nun etwas gänzlich Neues auf uns warten. Auf Helden, die keine große Veränderung erfahren, wartet zumeist das gleiche Abenteuer in anderer Form. James Bond ist so ein Held, der sich kaum ändert. Trotzdem sehen die meisten von uns ihm gerne zu. Der Fischer Santiago in Der alte Mann und das Meer von Ernest Hemingway hatte den großen Fisch zwar wieder verloren und konnte nur noch das Gerippe an Land bringen, aber dafür hatte er eine tolle Geschichte zu erzählen. Das war das Elixir, das er von seinem Abenteuer mitbrachte.

Welche Geschichte möchtest du gerne am Lagerfeuer erzählen?

Alles Liebe,

eure Shakti

3. Akt · Gewohnte Welt · Rückkehr

Der Rückweg

Leicht ist es, in die Unterwelt hinabzusteigen; doch den Schritt zu wenden und wieder zur Luft der Erde zu flieh’n – die ist die wahre Mühe. – Vergil,Aeneis

Der / die Held*in hat neue Erfahrungen gemacht, Prüfungen und Abenteuer bestanden. Jetzt gilt es, wieder in die Alltagswelt zurückzukehren. Und das geschieht nicht immer freiwillig.

Es ist ein bisschen so wie am Ende eines tollen Urlaubs – wir haben uns mit fremden Landschaften, Gerüchen, Menschen und Lebensweisen vertraut gemacht und die Zeit genossen. Doch irgendwann müssen wir wieder zurück in unser gewohntes Leben mit allen Alltagssorgen und Routinen. Wie kaufen noch schnell ein paar Souvenirs, gehen ein letztes Mal an den Strand und nehmen vielleicht etwas Sand oder eine besonders schöne Muschel mit, die uns an den Urlaub und die gemachten Erfahrungen erinnern sollen.

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Bei der inneren Heldenreise geht es darum, neue Fähigkeiten und Erkenntnisse in den Alltag zu integrieren. Es genügt eben nicht, nur drei Wochen im Jahr ein*e „Held*in“ zu sein – wir müssen die neuen Erfahrungen in unserem Alltag leben, damit sie uns von Nutzen sind. Das ist nicht immer einfach. Zumal gemachte Erfahrungen häufig schwierig an die Zurückgeblieben zu vermitteln sind. Im Märchen verwandelt sich der errungene Sack voller Gold auf dem Rückweg häufig in altes Laub, so dass niemand glaubt, dass der / die Reisende tatsächlich einen Schatz geborgen hat.

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Auch können Urlaubsfotos und eine mitgebrachte Flasche Likörwein den zurückgebliebenen Freunden niemals denselben Genuss vermitteln, den wir empfunden haben. Da wird der Held / die Heldin noch einmal  auf die Probe gestellt: Ist er / sie wirklich entspannter? Meistert er / sie Probleme nun gelassener?

Eine rasante Verfolgungsjagd läutet in Filmen häufig die Rückkehr in die gewohnte Welt des Helden / der Heldin ein. Er / sie muss vielleicht sogar alles opfern muss, was er / sie bisher erreicht hat, um mit dem Leben davon zu kommen. Das gewonnene Geld wird buchstäblich zum Fenster raus geworfen, um den habgierigen Bösewicht abzulenken. Vielleicht stirbt ein Freund oder Vertrauter des Helden / der Heldin wie das treue Pferd Artax in der Unendlichen Geschichte von Michael Ende.

Der / die fliehende Held*in findet sich nicht selten völlig unvermittelt in seiner Alltagswelt, der oftmals harten Realität, wieder. Joseph Campbell spricht an dieser Stelle von magischer Flucht. Unser heutiges Pendant wäre vielleicht das Flugzeug, das uns wie mit Zauberkraft in Windeseile um den halben Erdball bringt. Da braucht die Seele etwas Zeit, um nachzukommen.

Alles Liebe,

eure Shakti

2. Akt · Initiation · Land der Prüfungen

Die Belohnung

Liebe Freunde,

Party !!!

Ihr habt die entscheidende Prüfung überstanden. Fee schrieb mir dazu in einem Kommentar, dass sie es mag, wenn Geschichten ein Happy End haben.

Was ich euch letzte Woche verschwiegen habe, ist, dass es nicht immer zwangsläufig ein Happy End gibt. Versaut der Held / die Heldin diesen Teil der Reise, ist die Geschichte zu Ende. Oder der Held beginnt wieder von vorn. Oder jemand anderes übernimmt von hier aus die schwere Aufgabe, das Elixier, das alle Krankheiten heilt, das Schwert des Vaters, das unbesiegbar macht oder den Heiligen Gral zu finden.

Geht der Held gut vorbereitet in die entscheidende Prüfung, d. h. setzt er alle bisher erworbenen Kenntnisse und Fähigkeiten ein, dann wird er siegreich aus der Prüfung hervorgehen.

Jetzt erhält der Held seine Belohnung. Es ist wie bei Siegfried in der Nibelungensage (hier als Hörbuch), der den Drachen tötet und in dessen Blut badet. Seine Belohnung hier ist die Unverwundbarkeit, die er dadurch bekommt.

Eine kleine Party sei an dieser Stelle erlaubt! Du hast dein Ziel erreicht und fühlst dich lebendig und ausgelassen. Wer große Prüfungen bestanden und vielleicht sogar eine Todeserfahrung gemacht hat, nimmt das Leben bekanntlich intensiver wahr. Vielleicht hast du auch vorher gedacht, dass du das nie schaffen, das Ziel nie erreichen würdest. Nun ist es Zeit, sich die Belohnung abzuholen.

Joseph Campbell sagt dazu:

Ich glaube, die Menschen suchen weniger nach dem Sinn des Lebens als nach der Erfahrung, lebendig zu sein.

Oftmals erfährt der Held / die Heldin an dieser Stelle etwas über seine (besondere) Herkunft. So wie Harry Potter im Band Der Stein der Weisen: „Deshalb bist du berühmt. Deshalb kennt jeder deinen Namen“.

Oder auch hier:

Wie Harrys Mentor Professor Dumbledor bereits andeutet, findet das Böse immer Wege, um zurückzukehren. Darum sollte man neben aller berechtigter Feierei auch auf der Hut sein!

Hier ein kleiner Ausschnitt aus  Twilight. Bella begibt sich in Todesgefahr, um ihren Geliebten Edward sehen zu können. Zwar überlebt sie das „Klippenspringen“, doch dann rollt eine wahre Monsterwelle auf sie zu.

Merke: Das Böse steht immer noch einmal wieder auf!

Feiert dennoch schön,

eure Shakti

2. Akt · Initiation · Klimax · Land der Prüfungen

Die entscheidende Prüfung

Hallo ihr Lieben,

ihr betretet nun gewissermaßen die Höhle des Löwen. In diesem Blogbeitrag geht es um die zentrale Krise auf der Heldenreise. Sehr lesenswert ist dieser kurze Artikel in der Zeit zur Wortbedeutung der Krise:

Irgendwann ist es soweit, die entscheidende Prüfung steht bevor. Es kommt zur zentralen Krise – in einer Geschichte wie im „wirklichen“ Leben. Mythen, Legenden, Fabeln und Geschichten sind nichts anderes als Orientierungshilfen im Leben. Wie können wir mit Herausforderungen, Leid und Schmerzen umgehen?

Die bisherigen Aufgaben waren schon nicht immer einfach zu meistern, doch nun geht es buchstäblich um ALLES. Leben und Tod, Sieg oder Niederlage. Bevor eine Besserung eintritt, verschlimmert sich die Lage zumeist noch. Schafft es James Bond, die Erde vor dem Bösewicht zu retten?  In „Goldfinger“ aus dem Jahr 1964 befindet James Bond sich in einer scheinbar ausweglosen Situation, festgeschnallt auf einem Tisch kommt ein tödliches Lasermesser immer näher. „Erwarten Sie, dass ich rede?“, fragt er den Bösewicht.  „Mr Bond, ich erwarte, dass Sie sterben.“, ist dessen Antwort. Es scheint keinen Ausweg zu geben. Schlimmer kann es nicht kommen.

Wird Harry Potter von Lord Voldemort getötet?

Die Heldenreise kann auch als eine Reise ins eigene Selbst betrachtet werden. Man schaue sich nur mal die verschiedenen Bedeutungen der Schlangensymbolik an.

Das einzig lebenswerte Abenteuer kann für den modernen Menschen nur noch innen zu finden sein.

meint C. G. Jung.

Schaffst du es, deine inneren Dämonen, deine innere Ängste zu besiegen oder besiegen sie dich?

Oftmals entpuppt sich die entscheidende Prüfung im Nachhinein als anders als befürchtet. In der Sage von König Artus und den Rittern der Tafelrunde  (Hier eine kurze Hörspiel-Einführung ) nimmt Sir Gawain die Herausforderung des grünen Ritters an, ihm den Kopf abzuschlagen – allerdings muss er sich im Gegenzug ein Jahr später selber von grünen Ritter den Kopf abschlagen lassen. Der grüne Ritter steht ohne Kopf wieder auf und verkündet, dass er Sir Gawain in einem Jahr an der Grünen Kapelle erwartet. Als Ritter von König Artus Tafelrunde nimmt er sein Schicksal an und macht sich im folgenden Jahr auf den Weg. Ein paar Tage vor Fristende übernachtet er bei einem Ehepaar in der Nähe der grünen Kapelle. Während der Mann tagsüber außer Haus ist, versucht die Frau jedoch, ihn zu verführen und wird dabei von Tag zu Tag stürmischer und verlockender. Doch Sir Gawain bleibt standhaft und lässt sich lediglich einen Kuss abtrotzen, den er dem Hausherrn abends gewissermaßen wiedergibt. Nur am letzten Abend stiehlt er der Frau ihr Strumpfband, was er dem Hausherrn verheimlicht.

Als Sir Gawain seinen Kopf auf den Block des Henkers legt, verpasst dieser ihm lediglich einen Streich auf die Wange: „Das ist für das Strumpfband“, sagt der grüne Ritter.

Nach Joseph Campbell  hat der Held Garwain seine Prüfungen bestanden, in denen es um Versuchungen geht, um die Überwindung der Angst und das Zügeln der Begierde. Sir Gawain hat also durch Bestehen der kleineren Prüfungen im Vorfeld bereits die große Krise – das scheinbar unabwendbare Abschlagen seines Kopfes – gemeistert. Einfach indem er Mut und Standhaftigkeit bewiesen hatte.

Merke: Der Held / die Heldin geht siegreich aus der Prüfung hervor! Es lohnt sich also.

Alles Liebe,

eure Shakti

2. Akt · Abstieg · Land der Prüfungen

Vordringen zur tiefsten Höhle

Follow your bliss and the universe will open doors for you where there were only walls.

Dieses Zitat von Joseph Campbell möchte ich meinem heutigen Blog gerne voranstellen. Denn nun seid ihr in der ungewohnten Welt und das ist zunächst aufregend und beängstigend zugleich. Ihr werdet Prüfungen aller Art bestehen müssen, bevor ihr euer Ziel erreicht. Obwohl die entscheidende Prüfung noch bevorsteht, halte ich persönlich diesen Teil der Reise für einen der schwersten und unübersichtlichsten. Es kommen ungeahnte Schwierigkeiten auf einen zu und man muss schon viel Mut und Durchhaltevermögen beweisen, um nicht schleunigst wieder umzukehren.

Hier hilft es oft, sein Ziel zu visualisieren: Stellt euch euer Ziel bildlich vor, vielleicht mit Hilfe eines Symbols, und dann zoomt dieses Bild ganz nah zu euch heran, so dass es immer größer wird. Die meisten spüren sofort einen gewaltigen Motivationsschub.

Dieses Stadium wird auch im „Bauch des Walfisches“ genannt. Ihr bereitet euch auf die größte Prüfung vor. Hier erfahrt ihr alle Informationen, die ihr braucht, lernt Freunde kennen, die euch beistehen, lernt Fähigkeiten, die ihr benötigt und erkennt JETZT erst wirklich, worum es eigentlich geht. Auf einmal seht ihr glasklar, was vorher nur verschwommen war. Ihr erkennt ganz genau, was ihr wollt und was ihr braucht, um euer Ziel zu erreichen. Aber auch euer größter Gegenspieler wird auf einmal deutlich erkennbar. Manchmal ist das ein Aspekt in uns selbst (hier reihe ich mich gerne ein), den wir als „Schatten“ bisher versuchten zu ignorieren oder zu verstecken (hier ein Link zum Konzept des Schattens nach C. G. Jung).

Eine gute Idee in diesem Stadium ist, sich zunächst so viele Informationen wie möglich zu beschaffen. Vertraut nicht nur Google, sondern sucht Leute, die sich auskennen, die über das Spezialwissen verfügen, das ihr braucht. Nach Christopher Vogler (Die Odyssee des Drehbuchschreibens) suchen Filmhelden nach Überschreiten der ersten Schwelle oftmals eine Bar oder einen Saloon auf.

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Hier kann der Held / die Heldin auftanken, Informationen sammeln und Freunde finden.

Wir meinen zu denken, uns selbst kontrollieren zu können. Und trotzdem kann ein Freund etwas über uns offenbaren, wovon wir absolut keine Ideen haben.

(C. G. Jung)

Dies ist die Zeit, um sich frei zu machen von alten Denkmustern und Gewohnheiten. Erlernt die Fähigkeiten, die ihr für euer Abenteuer braucht: Macht einen Kurs in Buchhaltung, wenn ihr eine Firma gründen möchtet, lernt Bogenschießen, wenn es euch an Konzentration fehlt oder findet einen Babysitter, wenn ihr Zeit braucht, ein Konzept zu schreiben. Ich weiß, dies ist nicht immer einfach zu bewerkstelligen. Wenn es einfach wäre, hättet ihr es längst gemacht. Bitte, lasst dieses Mal kein Nein und keine Ausrede gelten. Kehrt nicht wieder um, ihr seid schon weit gekommen und würdet irgendwann ja doch wieder aufbrechen. Verwendet eure Energie besser darauf, Lösungen für die Probleme zu finden, die sich euch in den Weg stellen.

Wer mag, macht jetzt eine Liste von Informationen, die er / sie braucht und von Fähigkeiten, die er / sie erlernen muss, um das angepeilte Ziel zu erreichen.

Alles Liebe,

eure Shakti

 

 

 

 

2. Akt · Archetypen · Land der Prüfungen

Das Abenteuer beginnt: Verbündete, Feinde, neue Regeln

Liebe Freunde,

irgendwann ist es soweit: Ihr hattet bereits eine Idee davon, wie es anders sein könnte. Ein anderer Job euch zufriedener, eine bessere Beziehung zu jemanden euch glücklicher machen könnte. Ihr habt quasi durchs Schaufenster geguckt, seid am Türsteher vorbeigekommen und habt jemanden getroffen, der weiß, wie man sich in der anderen Welt bewegt.

Nun gibt es kein Zurück mehr geht und ihr überschreitet die erste Schwelle.

In den meisten Dramen und Geschichten beginnt nun der zweite Akt. Ihr verlasst die gewohnte Welt und betretet den „mythischen“ Wald. Hier ist alles anders, die gewohnten Regeln gelten nicht mehr. Vielleicht gibt es fremde Geräusche, anderes Licht und Menschen bzw. Wesen, die euch unbekannt sind und die ihr nicht einschätzen könnt. Nun gilt es, sich mit den neuen Regeln vertraut zu machen und zu lernen, wer gut ist und wer euch Böses will. Wem könnt ihr vertrauen? Wichtig ist hier, selbst stets integer zu sein und Hilfe anzubieten. Wer anderen hilft, dem wird geholfen! Mir fällt spontan das Märchen Frau Holle ein, in der die Goldmarie anderen uneigennützig hilft, den Apfelbaum schüttelt, dessen Äpfel schon ganz reif sind und das Brot aus dem Ofen holt, das schon lange fertig gebacken ist. Am Ende wird sie dafür mit Gold überschüttet. Ihre Schwester, die Pechmarie weigert sich dagegen hochmütig, anderen beizustehen und wird im Ergebnis mit Pech überschüttet. Sie hatte sich aus den falschen Gründen in die andere Welt begeben, d.h. sich nicht wirklich auf das Abenteuer eingelassen. Sie hat auf ihrer Reise nichts gelernt, sich nicht geändert.

Dass der Held / die Heldin eine innere Veränderung erlebt, ist eine grundlegende Erfahrung der Heldenreise. Den Mangel, den der Held / die Heldin in seiner gewohnten Welt verspürt hatte, wird er / sie am Ende der Reise überwunden haben. Doch dafür muss er / sie sich wirklich auf die andere Welt, einen neuen Weg und neue Erfahrungen einlassen. Dieser Schritt kann nicht übersprungen werden. Und es ist keineswegs gewiss, dass der Held / die Heldin in der neuen Welt besteht. Schafft er / sie es nicht, muss er / sie die Reise erneut antreten.

Nicht alle Gestalten, denen ihr begegnet, meinen es gut mit euch. Vielleicht versucht man euch auszutricksen und auszunutzen. Es gibt Figuren wie den bösen Wolf im Märchen Rotkäppchen , die versuchen euch zu täuschen und euer gutes Herz auszunutzen.

Hier mal ein Beispiel aus der Arbeitswelt: Fast jeder hat schon mal seinen Job gewechselt und eine neue Stelle angetreten. In jedem Unternehmen gelten geschriebene und ungeschriebene Gesetze, die befolgt werden wollen. Und es gibt neue Kollegen, die euch entweder positiv gesinnt sind oder versuchen, euch auf ihre Seite zu ziehen und für ihre eigenen egoistischen Ziele einzuspannen.

Dies ist gleichzeitig die erste Bewährungsprobe. Schafft ihr es, den Charakter anderer richtig einzuschätzen?

Zum Glück habt ihr den Mentor, der euch beisteht. Und ihr werdet weiteren Wesen begegnen, die euch retten oder euch Geschenke geben, deren Sinn und Nutzen ihr erst später erkennt.

Oft gibt es auch Freunde, die euch begleiten. Sie sind nicht die Hauptfigur in eurer Geschichte (das seid ihr!), aber sie erfüllen einen wichtigen Part, bewahren euch (oft zufällig) vor Fehlern, heitern euch auf oder halten die Verbindung zur gewohnten Welt aufrecht, damit ihr nicht „verloren geht“. In den Geschichten von Sherlock Holmes ist dies Doktor Watson. Ohne ihn käme uns der geniale Detektiv wie ein eiskalter Analytiker ohne jede Emotion und Menschlichkeit vor. Watsons gesunder Menschenverstand schafft eine Verbindung zum Leser und bewahrt Sherlock Holmes davor, in eine Welt der reinen Logik (und Drogensucht) zu entgleiten.

Auch der Hobbit Frodo (der Herr der Ringe: eine klassische Heldenreise) wird von seinen treuen Gefährten Sam, Merry und Pippin begleitet (hier ein Link zu den Figuren in Tolkiens Welt).

Nun denn, stürzt euch ins Abenteuer! Entdeckt neue Land- und Leidenschaften und schließt neue Bekanntschaften, aber lernt auch, die wahren von den falschen Freunden zu unterscheiden.

Alles Liebe,

eure Shakti

1. Akt · Archetypen · Gewohnte Welt · Isolation · Ruf zum Abenteuer

Der Mentor

Möge die Macht mit dir sein!

Dieses Zitat aus Georg Lucas‘ Krieg der Sterne beschreibt haargenau den Mentor. Er kennt beide Welten, die gewohnte und die, die du nun betrittst. Der Mentor verfügt über  das Wissen, das du brauchst, um dich in der anderen Welt zurechtzufinden. Archetypisch ist der Mentor der weise alte Mann oder die weise alte Frau, er kann aber in Geschichten wie auch im Leben jedes Alter und jedes Geschlecht haben.

Im Film Matrix ermöglicht Morpheus (Mentor) es Neo (Held), seine Reise in die Matrix anzutreten, indem er ihn vor die Wahl stellt, die rote oder die blaue Pille zu schlucken. Schluckt er die blaue Pille, kann er sein gewohntes Leben fortführen, schluckt er aber die rote Pille, wird er die Wahrheit über die Matrix erfahren – mit allen Konsequenzen. Ein Zurück gibt es dann nicht mehr.

Im Film Titanic von 1997 ist es die Figur der Margaret „Molly“ Brown, die Jack Tipps gibt, wie er sich in der „feinen Gesellschaft“ benehmen und kleiden muss. Ähnlich verhält sich der Hotelmanager Bernard Thompson im Film Pretty Woman, als er Vivian die Manieren bei Tisch erklärt und dafür sorgt, dass sie passende Kleidung trägt.

Das beste am Mentor ist, dass er durch und durch gut ist. Er spielt keine Spielchen und verlangt keine Gegenleistung für seine Hilfe. Vielleicht tauchen Menschen auf, die nur auf den ersten Blick euer Bestes wollen, euch aber in Wirklichkeit eine Falle stellen oder irgendwann ihre „Schulden“ bei euch eintreiben. Das sind keine Mentoren! Mentoren sind Vorbilder! Oftmals sind sie selber einmal „Helden“ gewesen und haben ihre Prüfungen erfolgreich bestanden. Sie wissen, was euch erwartet.

Um es mit Mark Twain zu sagen:

Halte dich fern von denjenigen, die versuchen, deinen Ehrgeiz herabzusetzen. Kleingeister tun das immer. Aber die wirklich Großen geben dir das Gefühl, dass auch du selbst groß werden kannst.

Mentor war übrigens der Name des alten Mannes, der den jungen Telemach in Homers Odyssee begleitete. Der Name leitet sich vom griechischen en theos ab, übersetzt bedeutet er so viel wie „den Gott in sich haben“ oder „von Gott beseelt sein“.

Ich wünschen jeder und jedem von euch einen Mentor, der euch begleitet und euch ermutigt, die rote Pille zu nehmen! Vielleicht kennt ihr ihn ja schon.

Liebe Grüße,

eure Shakti

 

1. Akt · Archetypen · Gewohnte Welt · Isolation · Ruf zum Abenteuer

Der Torwächter

Liebe Freunde,

eigentlich wollte ich euch heute etwas über den Mentor erzählen, der euch auf eurer Heldenreise begleitet.

ABER: Bevor das Abenteuer wirklich beginnt, gibt es immer noch etwas, was den Helden / die Heldin zögern oder ihn / sie direkt wieder umkehren lässt. Deshalb schreibe ich heute über den Torwächter (auch Schwellenhüter genannt). Beinahe hätte ich diesen Blog nämlich aufgegeben.

Hey, lass dir von niemandem einreden, dass du was nicht kannst, okay? Wenn du einen Traum hast, musst du ihn beschützen. Wenn andere etwas nicht können, wollen sie dir immer einreden, dass du es auch nicht kannst. Wenn du etwas willst, dann mach es. Basta.

Dieses Zitat stammt aus einem meiner Lieblingsfilme: Das Streben nach Glück mit Will Smith – übrigens ein hervorragendes Beispiel für ein Drehbuch, das eindeutig an die Heldenreise angelehnt ist.

 

Seit Jahren bin ich fasziniert von der Heldenreise. Nicht nur als literarische Vorlage für Geschichten aller Art, sondern als Vorlage für ein gelungenes Leben. Ein uralter Weg, Schwierigkeiten zu meistern und Lösungen zu finden. Seien sie individuell oder gesellschaftlich.

Doch auf einmal kam mir mein Blog langweilig vor. Die Heldenreise, was kann ich da schon Neues berichten? Interessierten empfehle ich: „Kauf dir ein Buch!“

„Was soll das eigentlich werden? Shaktis kleine Ratgeberstunde?“, flüsterte es eindringlich in meinem Kopf.

Abends saß ich mit einer Freundin in der Kneipe und berichtete ihr von meinen Zweifeln. Sie sah mich ungläubig an, redete ich doch seit wir uns kennen von der Heldenreise. Sie antwortete, sie hätte sich auf den Blog gefreut und wolle kein Buch kaufen. Ich war weiter skeptisch. Aber sie insistierte, dass das doch wohl kaum meine eigenen Gedanken wären. Wessen Stimme denn da sprechen würde? Sofort blitzte eine Person aus meiner Vergangenheit auf. (Ich bin der Freundin so dankbar für ihre kluge Frage!) Doch erstmal sprachen wir von etwas anderem weiter. Sie erzählte mir, sie hätte zwar den Ruf zum Abenteuer vernommen, es gäbe da aber gewisse Schwierigkeiten, sich ins Abenteuer zu stürzen. „Das ist der Torwächter“, antwortete ich, war mir sofort klar. Wer das denn sei?

Und während ich noch herumerklärte, dass der Torwächter versucht, mich von meinem Abenteuer abzuhalten, aber im Prinzip harmlos ist, traf mich die Erkenntnis:

„Der Torwächter will einfach nur wissen, ob du es ernst meinst!“

Ich hatte gerade die Ursache für meine eigenen Zweifel gefunden. In diesem Moment als mir klar wurde, was gerade passierte, schrumpfte meine innere kritische Stimme wie ein Luftballon mit Loch. Meinte ich es ernst mit der Heldenreise als Modell für das Überwinden „echter“ Probleme im Leben?

Ja, verdammt! Und beinahe wäre ich an der ersten Hürde gescheitert.

Der Torwächter ist die Sphinx, die einen erst in die Stadt lässt, wenn man ein Rätsel löst. Der Torwächter ist die „gute“ Freundin, die einem versichert, dass man die 5 Kilo nicht wieder abnehmen braucht (sie hat nämlich selber zugenommen und fühlt sich viel wohler, wenn du auch dick bist), der Torwächter ist wie der Türsteher vor einem Club. Er wird dich kritisch betrachten und „Du kommst hier nicht rein!“ sagen. Auf die Frage „Warum?“ antwortet er nur „Weil ich das sage“. Wie gerne willst du in diesen angesagten Schuppen? Du musst dir etwas einfallen lassen, wenn du WIRKLICH hinein willst. Wechsle deine Schuhe, flirte mit ihm oder komm in der nächsten Woche ausgenüchtert wieder. Du kannst den Torwächter überlisten, zu deinem Verbündeten machen, ihm schmeicheln, seine vielleicht absurden Forderungen (zum Schein) erfüllen. Wichtig ist es, IN DEN CLUB zu kommen. Und wenn du es wirklich willst, dann kommst du auch in den Club.

Ohne Club keine heiße Nacht – ohne Überwinden der Schwelle kein Abenteuer

Es empfiehlt sich übrigens, nicht mit Gewalt vorzugehen (ihr wisst schon: Polizei, Krankenhaus, etc. –  aus der heißen Nacht / dem Abenteuer wird so jedenfalls nichts).

Dass Türsteher oftmals anders sind, als sie auf den ersten Blick erscheinen, beweist Sven Marquardt, Türsteher des Clubs Berghain in Berlin Friedrichshain.

Es sind unsere eigenen Ängste und Sorgen, die uns vom Abenteuer unseres Lebens abhalten. Sobald man sie erkennt / besänftigt, verlieren sie jede Macht über uns. Meine innere kritische Stimme hätte mich fast davon abgehalten diesen Blog zu weiter schreiben.

Alles Liebe,

eure Shakti

1. Akt · Gewohnte Welt · Isolation · Magische Gegenstände

Ein besonderer Gegenstand

Gerade hatte ich in meinem Studiengang ein Präsenzwochenende zum Thema „Szenisches Schreiben“. Ich bin noch ganz erfüllt vom Theater: Theaterspielen und Theaterschreiben.

Sofort fällt mir Paul Rebillot (19. Mai 1931 – 11.Februar 2010) ein. Paul Rebillot studierte an der University of Michigan Philosophie und Theater und absolvierte eine Ausbildung in Gestalttherapie. Während seiner Ausbildung lernte er die Mythenforschungen von Joseph Campbell kennen und entwickelte daraus ein gestalttherapeutisch ausgerichtet Gruppenseminar: Die Heldenreise – Das Abenteuer der kreativen Selbsterfahrung. Er verband verschiedene Elemente zu einer Mischung aus Therapie, Theater, Ritual, Musik, Tanz, Gesang, Feiern und Kostüm.

Bereits Aristoteles bescheinigte dem Theater eine kathartische Wirkung. Auch bei der Heldenreise nach  Rebillot soll eine eine Art innere Reinigung und Heilung stattfinden. Heutzutage gibt es mehrere gestalttherapeutisch arbeitende Institute, die mit der Heldenreise nach Paul Rebillot arbeiten.

Bevor ihr euch nun ins Abenteuer stürzt, werdet ihr ein „Instrument der Kraft“ finden, nach Rebillot ist dies

„ein konkreter Gegenstand, der eine Kraft symbolisiert, die tief im Inneren den Helden verborgen ist, eine Kraft, von der der Held zu diesem Zeitpunkt gar nichts ahnt“.

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Quelle: Nils auf flickr

Dieser Gegenstand kann wirklich ALLES sein, ein Stein, ein Bild, eine Jacke, ein Ring…

Vorschlag: Sehr euch in eurer Umgebung um. Welcher Gegenstand spricht euch spontan an? Bewertet nicht und fragt nicht warum. Es wird sich euch erst später erschließen.

In Paul Rebillots Heldenreise gehen die Teilnehmer nach draußen in die nähere Umgebung, um einen Gegenstand zu finden, der ihnen – aus welchen Gründen auch immer – auffällt. Dies kann ein schöner Stein sein, ein besonders geformter Zweig, eine Blume oder ein achtlos weggeworfener Kronkorken.

Sammelt 4 oder 5 Gegenstände aus eurer Umgebung. Legt sie auf ein schönes Tuch und entscheidet euch dann für einen. Diesen Gegenstand bewahrt dann an einem besonderen Ort auf. Zu gegebener Zeit wird er euch wieder einfallen und euch zeigen, wie und wozu ihr ihn benutzen könnt.

Bis bald,

eure Shakti